Lustspielhaus
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Andreas Giebel

...Der Sonne entgegen! - Silvestervorstellung

Das Leben spielt uns gerne Streiche. Manche finden wir witzig, manche, sagen wir mal, finden wir nicht so witzig. Aber es ist das Leben! Aber...ist es das Leben, oder sind es die Menschen? Wahllos zusammengestellt hüpfen sie um uns herum (bildlich gesprochen) ramponieren unsere Schubladen, bringen Unordnung in unser klares Weltbild. Nur weil sie selbst alle krank sind diese Menschen, diese Leute. Gut dass wir das alles aufgearbeitet haben, unsere Ängste unsere... So spielt und erzählt Andreas Giebel auf höchst unterhaltsame Weise seine Geschichten von Menschen mitten unter uns, von uns selbst und von sich und wie wir das erleben. Und von all den Missverständnissen und den falschen Erwartungshaltungen, auf denen das Kartenhaus unseres Lebens steht. Von skurillen Figuren, die uns oft als seltsame Exoten erscheinen, doch langsam, fast unscheinbar immer näher an uns heranrücken. Von Ängsten und Wünschen und eben diesem Leben. Im Prinzip könnte es so einfach sein. Ist es aber nicht. Warum ist es nicht so einfach? Eigentlich hätte dieses Programm „Leichen im Keller heißen sollen“, doch nach langem Wühlen in den Kellern seelischer Abgründe, will man auch mal wieder die Treppe hochgehen, ans Licht, sonst findet man irgendwann den Ausgang nicht mehr. Vom Heben gezeichnet Nicht grundlos verwegen Tanzt Giebel am Abgrund DER SONNE ENTGEGEN

TZ 23.10.2003
Irrfahrt in die Abgründe des Alltags
„Mein junger Held“ nennt ihn der Saufkumpan vom Viktualienmarkt. Und listig wie Held Odysseus nimmt Kabarettist Andreas Giebel das Publikum in seinem neuen Programm „...der Sonne entgegen“ mit auf eine Irrfahrt in die Harmlosigkeiten und Abgründe des menschlichen Alltags rund um eine WG. Wie der mythische Seefahrer spinnt er seine Erzählfäden aus, fabuliert von Esoterik zu Erotik, spannt boshaft einen Bogen zwischen Patrick Lindner und Mario Adorf, rankt seine valentinesken Geschichten vom Biertisch zur häuslichen Kochorgie. Doch die Freunde verwandeln sich plötzlich in Schweine und unter den Grauköpfen im Rentnerbus wartet Penelope alias Elfriede... Es ist ein ebenso geistreicher wie witziger Mix zwischen Kalauern, Bildungsbürger-Relikten und philosophischen Tiefgründeleien, den Giebel wie ein Märchenerzähler präsentiert. Doch geistig kommt er leichtfüßig daher – hinter ausgefeilten Banalitäten und der abgefeimten Beiläufigkeit des sprachspielerischen Plaudertons steckt ein intellektueller Spötter der Spitzenklasse, der satirische Seitenhiebe gegen lasche Politiker wie lahme Normalos austeilt.
Barbara Welter

SZ Münchner Kultur, 23.10.2003
Märchenonkel der besonderen Art
Andreas Giebels neues Programm „Der Sonne entgegen“
Der Mann braucht ja nix. Die Requisiten (Stuhl, Tisch, Kleiderständer, Wasserglas) versauern, während er mit seiner ganzen Körperlichkeit wirkt. Berichtet, sich aufregt, plaudert, philosophiert, die Rollen wechselt, den etwas anderen Märchenonkel gibt. Nur ein Büchlein nimmt er ab und an zur Hand. „Um was geht’s eigentlich?“ steht vorne drauf. Könnte man sich bei Andreas Giebels neuen Programm auch fragen. Tut man aber nicht. Logisch, dass es um alles und nichts geht. Ums große Ganze halt: das Leben, die Menschen, und ich mittendrin. Giebels siebtes Soloprogramm heißt „Der Sonne entgegen“ und nicht wie zunächst geplant „Leichen im Keller“. Der Blick in die Abgründe der menschlichen Seele ging am Ende doch nach oben – wird alles gut? Gründe zu verzweifeln gäbe es ja genug, angefangen mit dem Beziehungsärger daheim und dessen fatalen Weiterungen. So landet der Giebel schließlich im Mutantenstadl: am Bier-Stehtisch auf dem Viktualienmarkt. Lernt den Puschkin kennen, einen Weltverweigerer mit Hang zur Philosophie und Odysseus, lernt den Placebo kennen, einen zwerghaften Komplexhaufen, und der Achter, die multiple Persönlichkeit, gehört auch dazu. Mit diesem Ensemble entwickelt Giebel seine Geschichten und Geschichtchen: vom Mann, den Waldemar Hartmann siezt, von der geringen Trennschärfe bei Erotik- und Esoterikmessern, von Catwalkern und Religionsberatern, von Parkbank- und anderen Beziehungen. Er tut dies mit einer in 20 Bühnenjahren gewachsenen Präsenz, der niemand im Lustspielhaus entkommt. Die Kollegen vom Hausensemble „Die Occams“ (Liegl, Schleich, Altinger) lachen am lautesten, Regisseurin Gabi Rothmüller ist zufrieden mit dem Bühnentier und Vielspieler Giebel (im Fernsehen bald Polizist), und ein Happy End gibt’s auch noch. Schön.
Thomas Becker

Münchner Merkur 21.10.2003
Mit Andreas Giebel „Der Sonne entgegen“
Schon sein erstes Programm, „Der Mensch ist sein Fehler“(1984), brachte ihm das begehrte Passauer „Scharfrichterbeil“ ein; spätestens mit dem „Alpenvirus“ (1996) infizierte Andreas Giebel dann auch das ganz große Publikum und überzeugte durch seine Kunst der Menschendarstellung. Im Münchner Lustspielhaus präsentiert der Kabarettist, der die letzten drei Jahre „Vom Heben gezeichnet“ durch Deutschland tourte, von heute an (20:30 Uhr) sein neustes Programm, „...der Sonne entgegen“. Es erzählt (wieder) „von skurrilen Figuren, die uns oft als seltsame Exoten erscheinen und langsam, fast unmerklich immer näher an uns heranrücken. Der 45-jährige gebürtige Münchner versteht sich auf Soli ebenso wie auf die Arbeit im Ensemble. So gehört er der jeweils im Sommer auftretenden Truppe der „Occams“ an und stand bereits mit Urban Priol beziehungsweise Georg Schramm auf der Bühne. Im kommenden Jahr könnte Giebel auch Serienstar werden. In der BR-Produktion „München 7“ spielt er einen Polizisten.
Rog

Münchner Merkur 23.10.2003
Puschkin, Placebo und die arme Susi
Andreas Giebels Solo im Lustspielhaus
Was „an diesem Abend passiere, sei „schnell erklärt“, behauptet Andreas Giebel, und bevor man sich fragt, wann’s denn beginnt, ist man schon mitten drin. Kein „richtiger“ Anfang, keine Inszenierung stört den (Rede-)Fluss, der Kabarettist ist ganz er selbst, wenn er sein Publikum in „seine“ Geschichte hineinzieht. Und wie aus dem Nebel des kollektiven Gedächtnisses tauchen die Typen auf, die man alle „irgendwie“ kennt und die Münchner nun liebevoll ins Rampenlicht zerrt. „Der Sonne entgegen“ heißt das allerneuste Solo des 45-jährigen, erstmals zu sehen nun im Lustspielhaus, ein Streifzug durch die Metropole, vom Viktualienmarkt zur Pinakothek der Moderne und in diverse Wohnungen, in denen „befreundete Ehepaare“ gemeinsam kochen, um nicht über ihre Beziehungen reden zu müssen. Bizarre Biographien stehen im Mittelpunkt, referiert von einem Menschenkenner, der seine Figuren nie denunziert – Puschkin, der melancholische Philosoph, Placebo, der keine Chance bei den Frauen hat und sie trotzdem nutzt, ein gewisser Elmar, der diverse Schicksalsschläge abbekommen hat. Und der Andi ist auch noch da. Das Bier ist das Benzin, die Lebenserfahrung uns das (Halb-)Wissen seiner Geschöpfe sind der Motor, der diese Plauderei vorwärts treibt. Das wäre alles ziemlich banal, verstünde es Giebel nicht so perfekt, im Einzelfall das Allgemeingültige zu orten und seine Erzählungen gekonnt ins Aberwitzige driften zu lassen. Und so dient der Fahrradunfall des armen Elmar, dem Trambahngleise zum Verhängnis wurden, als Illustration des Effekts, dass scheitern droht, sobald man seiner Fähigkeiten bewusst wird. Der Wille, die Welt zu ordnen, wohnt allem Rede inne – bei Giebel gipfelt das in dem genialen Phantom eines Buches mit dem Titel „Um was geht es eigentlich?“, in dem „alles drinsteht“ (beispielsweise: „Leben“ – „wiederspricht allen Regeln“). Ein Altruist, der „Susi“ rettet, nur weil er ein Motorrad irrtümlich für eine geknechtete Frau hält. Ein Engel, obwohl er’s auch nicht leicht hat. Das lässt hoffen – und sei es auf die „eigentliche Geschichte“...
Rudolf Ogiermann

AZ Kultur, 23.10.2003
Das Leben widerspricht den Regeln
Andreas Giebel spielt sein neues Kabarettsolo „...der Sonne entgegen“
Als Märchenonkel hat er sich „noch nicht ganz in der Gewalt“: Da nennt er schon mal die Prinzessin ein „magersüchtiges Zwietscherl, die kann ja das Wort Arbeit ned amal buchstabieren“. Aber das Andreas Giebel sein Geld als Märchenonkel verdienen müsste, ist unwahrscheinlich: Der Münchner Kabarettist zeigt sich mit seinem neuen Solo „...der Sonne entgegen“ im Lustspielhaus wieder in Bestform. Angefangen hat alles damit, das er für seinen gesundheitswahnsinnigen alten Freund Elmar ein Ersatzteil für dessen Hometrainer besorgen soll. Im Biergarten auf dem Viktualienmarkt schließt er Freundschaft mit dem geistesschlichten Placebo und dem Philosophen Puschkin mit der Liebe zu Odysseus und der Sehnsucht nach dem Süden. „Den Geschmack von dem Geruch, den hätt’ ich gern, aber ohne was zum Essen“, sagt Puschkin. Weil Elmar inzwischen mit dem Radl verunglückt ist, machen sich die drei auf die Suche nach einem neuen Lebenssinn für Elmar. Der Streifzug durch München ist auch ein Streifzug durch die Ängste, Erwartungen und Marotten der „vergessenen Generation“ zwischen 30 und 60. Beziehungszoff mit Isabella, gemeinsames kochen mit befreundeten Ehepaaren, der Erwerb einer neuen Freundin Susi, die sich als Suzuki-Motorrad entpuppt.: Giebel erzählt sein skurrilen Geschichten mit unverschämten Charme, urkomisch und federleicht. Er ist – in Gabi Rothmüllers präziser Regie – ein wunderbarer Komödiant, der seine skurrilen Figuren liebt und auch sich selbst ironisch hinterfragt, wenn er seinen am Islam interessierten Doppelgänger bei der Religionsberatung beobachtet. Und Giebel ist ein bayerischer Philosoph des Absurden, dessen kluges Lexikon zum Stichwort Leben weiß: „Das Leben widerspricht den Regeln“.
Gabriella Lorenz