Lustspielhaus
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Michael Altinger & Band

Meine Heilige Familie

Haben Sie auch schon Panik vor dem frohen Fest? Treibt Sie der Gedanke an Weihnachten an, eine kleine Reisetasche zu packen, und zu kontrollieren ob das handliche Beil im Keller noch richtig scharf ist? Sollte das so sein, sind Sie genau richtig. Denn der Altinger und seine Band (Martin Julius Faber) zeigen uns die Dramen der bayerischen Weihnacht, wie sie Ludwig Thoma völlig betrunken nicht eingefallen wären. Altinger analysiert die Verhaltensweisen und Rituale der bayerischen Weihnacht 2016, um zum glasklaren Schluss zu kommen, dass die Verlierer im großen Kampf rund um den Baum immer die MÄNNER sind. Es beginnt doch schon mit Josef selbst: Von Maria mit dem heiligen Geist betrogen, vom Erzengel bis nach Ägypten getrieben und dann von Evangelisten noch einmal kurz erwähnt, weil sein pubertierender Ziehsohn in Jerusalem mal ohne seine Eltern einen drauf machen will. Und ansonsten? Danke, das war's!

Und heute? Der blanke Terror und das innere Wehgeschrei der bayerischen Männlichkeit, nur notdürftig überdeckt mit weihnachtlicher Stubenmusik.
Der Altinger wird uns gnadenlos konfrontieren mit den real existierenden Archetypen: mit der harmoniesüchtige Gattin, die unsere in ihrer Schlichtheit liebgewonnenen Wohnungen mit aberwitzigem, von zarten indischen Kinderhänden mit Liebe verschweißtem weihnachtlichen Tand verunstaltet, um klar zu signalisieren: ""Wehe es wird nicht schön!" Und dann das Kind, das wirbelsturmgleich, und mit eben solch verheerenden Auswirkungen, über uns und unseren Dispokredit hereinbrechen wird.
Zu guter Letzt kreuzt dann auch noch die Verwandtschaft in Gestalt der Schwiegermutter auf, um die letzten Reste von Feierlichkeit in Schutt und Asche zu legen. Um uns dieses Jahr also besser auf das Unvermeidliche vorzubereiten, schauen wir uns das Drama in seiner ganzen Pracht und Absurdität an, um nachher vielleicht doch die kleine Reisetasche zu benützen, bevor der Wahnsinn seinen unvermeidlichen Lauf nimmt.