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Lisa Fitz

LEX MIHI ARS - Die Kunst sei mir Gesetz

Das neue Kabarett-Programm von Lisa Fitz

„LEX MIHI ARS“ - wie soll man das verstehen?
„Lex mihi ars“, heißt aus dem Lateinischen übersetzt eigentlich „die Kunst sei mir Gesetz“. In manchen Ohren hiesiger Muttersprachler könnte es aber auch eine etwas andere, drastischere Bedeutung annehmen. Dieser spezielle Ausdruck bayrischer Lebenskunst ist sprachlicher Joker für ein ganzes Spektrum an Emotionen, findet Lisa Fitz: sprachlose Bewunderung, Respekt, Ausdruck gemeiner Verachtung, Abwehr, Schroffheit und sogar Seelenschutz. Fitz geht all diesen und anderen Gedanken in ihrem neuen Programm „Lex mihi ars“ nach und nimmt so eine satirische Standortbestimmung für die Bundesrepublik und ihre Bewohner vor. Natürlich gewohnt gekonnt, denn Lisa Fitz, die manche nur als Dschungelkönigin kennen, ist seit Anfang der 80er Jahre ein wesentlicher Pfeiler des deutschen Kabaretts. Als erste Frau in Deutschland präsentierte sie Soloprogramme mit eigenen Texten.
Lisa Fitz - LEX MIHI ARS
Deutschland im Dornröschen-Dauerschlaf. Kein Prinz in Sicht, um die Zicke Bundesrepublik aus ihrem Euro-Koma zu erwecken. Keine Chance, sich aus dem Dschungel der downgeloadeten Handyklingeltöne freizuschlagen, zu kämpfen gegen den TV-Drachen, den großen Saurier mit dem kleinen Hirn, der nicht aussterben will, der speit und speit, Geschwätz, dumme Bilder, Gewaltfantasien, Gebabbel von Tussen, die dreinschauen wie geleckte Milchkälber, herzig und saudumm. Der fleißige Deutsche ist eine Sagengestalt geworden und Gott zur Ente mutiert – Dagobert Duck.
In welchem geistigen Zustand ist dieses Land, das zwischen Hartz IV, Eurotrauma und Wespenplage oszilliert? Zwischen Hansens Schulden und Angelas Schuldverschiebung. Zwischen infantiler Klagekultur und einem biergeschädigten Kanzler, der entscheidungsschwach von Maut und Dosenpfand aufgerieben wird und sich vom Dorfdeppen aus Texas terrorisieren lässt? Hollywood macht Dauerwerbekampagnen für Maul- und Revolverhelden, Big Brother USA mit Helden-Neurose und Messiaskomplex kann nicht helfen, die amerikanische Illusion von Grandiosität ist ein riesengroßer Bomben-Furz, der unerträglich zum Himmel stinkt!
Wo bleibt die flächendeckende Demokratisierung des Irak mit Sat TV und Big Mäc? Tante Bundesrepublik ist langweilig geworden, der Sex kommerzialisiert und keine gesellschaftliche Revolution mehr, geschweige denn Freiheit. Der männliche Sexualtrieb wird umgeleitet auf 0190 und ausgebeutet. Wir sind Laborratten mit Geldbeutel – zu Couchpotatoes mutiert, und hocken, träge wie Galapagos Echsen, auf den warmen Felsen und starren tatenlos ins Meer - in die Glotze, wie tote Barsche. Zynische Witze auf Kosten anderer galoppieren wie ungezügelte Wildsäue durch die Medien - lieber ein fröhlicher Täter als ein trauriges Opfer! Die Kids haben das Vertrauen in „die alten Säcke“ verloren und kleiden sich lieber gut. Brandmark statt Profil. Keine Vision...
Statt Update der Ziele und Quantensprung im Glauben sind wir beleidigt aufs Leben, unmündig, nicht abnabelungswillig von der Plazenta Staat und fortpflanzungsunwillig – wir, die Enkel der pathologisch Blonden, Vermehrungsfanatischen, wir bocken auf der ganzen Linie.
Es ist führerlos, das Volk und rudert steuerlos im Kreis herum, mit anfallsweiser Arbeitswut und Scheinaufschwung zwischen Karnevalskater, Hitzewelle, Wies´nrausch und Silvesterkoma. Eintagsfliegen kurz vor Feierabend.
Er ist misslaunig, der Teutone, will sich nicht vermehren und nicht lernen, er will fernsehen und will mehr Geld, aber nicht mehr arbeiten. Geht es in diesem Land noch um irgendetwas anderes als um Arbeit und Geld?

LEX MIHI ARS - die Kunst sei mir Gesetz
Die Kunst der Ignoranz, des Nicht-Denkens, des Nicht-drüber-Nach-denkens, des Über-den-Mund-Fahrens und Nichtzuhörens. Die Kunst des Konsumierens, der Wahl der richtigen Chips und Crackers, Waschmittel, Bodylotions & Grillwürstchen. Die Kunst des Heimwerkens und Rasenmähens und der Maulwurfshügelbeseitigung, und des Zappens ohne Ehekrach und des meditativen Autowaschens.
Lex mihi ars ...wie in den russischen Puppen ist jedoch eine zweite Bedeutung versteckt - ein urbayrisches sprachliches Drastikum. Mi leckst am Arsch, seit Götz von Berlichingen Ausdruck urbayrischer Lebenskunst, sprachlicher Joker für ein Spektrum an Emotionen, sprachlose Bewunderung, Respekt, Ausdruck gemeiner Verachtung, Abwehr, Schroffheit und ... Seelenschutz?
Zwei Eulenspiegeleien dieses Kuriosums, zwei Synonyme für die zwei Seelen - ach! - in unserer Brust. Wer hat die nicht ...?
Die feine Sinnsuche gegen die bodenständige, erdige, wildwüchsige, wildsaumäßige Urkraft und sprachlich zerklüftete Urwaldlandschaft des bayrischen Herzens! Goethe versus Götz, Sloterdijk versus F.J.Strauß, Wildschütz Jennerwein und Liesl Karlstadt. Dazwischen ein Abgrund, eine Kluft, in die der abenteuerfreudige Gedankenhubschrauber abstürzt in den Dschungel des Lebens – Bequemlichkeit, Phlegma (Flegma...?), Blauäugigkeit, Verdrängung, Nulldurchblick. Gedankendschungel ... Und die Befreiung daraus vermittels Verstandesmesser, Erfahrungs-Machete, Moral-Kompass, Visions-Vorrat und einem Kehrpaket aus Sinn, Vision und Siegerwillen. Ausdauer in den Gedanken ist der Grundstein ihrer Realisierung. Die Mutation des Komödienstadels heißt Comedy – die des Kabaretts Bundestagsdebatte. Und apropos Dschungel ... Bei so was macht man mit – aber man schaut´ s sich’s doch nicht an! 

Eure Lisa Fitz

P.S. Geldtipp: Legen Sie Ihr Geld in Steuern an, die steigen immer!