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Somersault

Konzert

Es ist soweit! Nach langem Warten erscheint nun endlich das zweite Album von Somersault, alias Gudrun Mittermeier: “Paper Walls” heißt es und kommt dieser Tage auf den Markt.
„Bei meinem Musikgeschmack müsste mir eigentlich eine Indie-Pop-Karriere blühen“, scherzt Somersault und schwärmt von ihren Lieblingsmusikern: Sufjan Stevens, Elbow, Damien Rice, I Am Kloot, Teitur ... Nie gehört? Sie zählen zu den angesehensten Songschreibern der Gegenwart. Leider auch zu den übersehensten. So sieht eben die gemeine Kehrseite des „Indie“-Daseins aus: viel Ehr, wenig Ruhm.
Die junge Frau selbst ist auch independent – unabhängig in ihrem Schaffen als Musikerin. Nur übersehen wurde sie nicht. Gleich ihr erstes Lied forderte Xavier Naidoo ungefragt zum Duett heraus und enterte im Juni 2001 die Charts. „Way To Mars“ hieß die anschwellende Hymne und war der Kaltwassersprung für Somersault, das Alter Ego von Gudrun Mittermeier.
September 2003 erschien das erste Album, „By Your Side“.

Jede Melodie hat ihren Schatten
Somersault, das heißt auch: sich in der Rolle vorwärts auch mal nach hinten wenden. Im englischen Begriff somersault (deutsch: Purzelbaum, Salto) vereinen sich zwei verwandte und doch entgegengesetzte Dinge – Spiel und Ernst, Spaß und Risiko. Selten glückte eine Namenswahl so treffend wie hier. In Somersaults Musik erklingt vordergründig das schöne leichte Spiel mit Melodien, dahinter jedoch suchen Ängste und Dämonen die menschliche Seele heim. Was sie von den meisten anderen Dämonen bezwingenden Sängerinnen unterscheidet: Bei Somersault endet die Auseinandersetzung weder in Saiten zupfender Melancholie noch im Mahlstrom düsterer Balladen. Hier landen Dämonen weich. Lieder wie „Not In This World“ oder „Passing By“ federn behutsam ins innere Dunkel und doch verströmen sie Licht wie der Morgen.
Wie macht sie das? Es liegt Magie in Somersaults Stimme: Wie kann sie mit bloßem Hauchen so musikalisch klingen wie in „Breathe“? Wie kann sie den eigenen Untergang so unverzagt, fast genüsslich besingen wie in „Slow Motion Suicide“? Und dann verpackt sie in „Break The Wave“die Zeile „I know I'm such a loser“ in einen sonnig munteren Popsong als wär's das Schönste auf der Welt, ein Verlierer zu sein.
Widersprüche zu formulieren und auszuhalten ist jeher das Wesen der Kunst. Um so schöner, dass Somersault dabei keinen Moment lang quer oder schrullig daherkommt, sondern zugänglich, offenherzig, von fast transparenter Textur. Es lohnt sich, genauer hinzuhören. Denn mit ihrer Arbeit am neuen, zweiten Album ist Somersault in die oberste Liga der Songwriter aufgestiegen.