Lustspielhaus
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Auerbach - von und mit M.O. Tauchen

mit M.O. Tauchen, H.Range, M.Cambeis, P.O.Kraus, R.Claire Lederle, C.Lindner, M.Mantel und S.Welter

Eine Wirtshaustragödie mit Musik - eine Lustspielhaus-Produktion

Auerbach in der BR Abendschau

Hier ein Ausschnitt vom Auerbach

Gottes Schöpfung ist stimmungsmäßig auf dem Nullpunkt: In der Kellerkneipe des Herrn Auerbach vegetieren die ewig gleichen: die abgetakelte Hausdame Frau Marthe, die Bedienung Gretchen, ein paar Gesellen, die sich für lustig halten und der konsequent erfolglose Dicher Heinrich Faust. In die zweifelhafte Trinkeridylle platzt der Hilfsteufel Belzebubi auf der Suche nach einer verführbaren Seele. Heinrich Faust, gelockt durch Versprechungen nach ewiger Jugend, Frauen und Inspiration ergreift die Chance beim Schopf und gibt sich dem unbeholfenen Teufelchen hin. So kommt es zu erotischen und erkenntnisreichen Verwicklungen der Personen untereinander und mischen das Lokal und ihre Insassen richtig auf...Zwei Seelen wohnen, ach...verweile doch du Augenblick...ach...nein...der Pudels Kern ist: ...ach...wie auch immer...kommen Sie , und...ach...verweilen Sie!
Denn: im Auerbach ist Stimmung, dass es nur so kracht!

Von: Manfred O Tauchen
Regie: Lederle/Tauchen
Musik: Ringlstetter/Vollmer/Kraus
Auf der Bühne:
Manfred O. Tauchen, Hagen Range, Martin Cambeis, Peter Oscar Kraus, Ruth Claire Lederle, Constanze Lindner, Martin Mantel und Sonja Welter
Band:
Titus Vollmer (musik. Leit., Git), Klaus Reichard (key), Andy Kaufmann (drums), Tom Peschel (bass)

Der Mensch, ein Witz
"Auerbach" - ein Meilenstein der "Faust"-Exegese

Ein denkwürdiger Abend ist dieser " Auerbach" im Lustspielhaus, einer, der auf drei Ebenen funktioniert. Erstens: der forcierte Klamauk. Die Engelein tanzen zum blödsten Song des Abends, im Auerbach selbst ist Stimmung, die zwischen Fasching und dialektunterfüttertem Blödsinn changiert. Zweitens: der intellektuelle Witz. Der Dichter Faust wird vom Erdgeist-Schnaps inspiriert und stellt fest, dass dieser Schiller schon alles geschrieben hat, was er jemals schreiben könnte. Und daraus hervorgehend drittens: das Drama des menschlichen Scheiterns. Dem Wissensdrang Faustens wohnt ja auch bei Goethe etwas Künstlerisches inne, einfach dadurch, dass die Verzweiflung, diesen Drang nicht stillen zu können, nach draußen drängt, jeglichen Ausdruckswillen bestimmt.
Manfred O. Tauchen hat sich selbst mit dem Faust in dieser faustischen Wirtshaustragödie die Rolle seines an Theater, Musik und allerlei Abenteuerlichkeiten reichen Lebens auf den nicht mehr ganz so jugendlichen Leib geschrieben. Das Scheitern Faustens ist auch seines, zumindest was die Erkenntnis von der Existenz eines solchen Scheiterns anbelangt, und so ist " Auerbach" durchsetzt von rührenden Momenten menschlicher Größe, die beginnen mit "ich hab" doch studiert und bin immer noch ein Depp" und kulminieren in "Heinrich, dir graut vor mir". Mag in letzterem Satz auch eine Note zerbrechenden Machismos mitklingen, wenn der große Zampano Faust von seiner erfolgreichen Lesereise zurückkehrt und im Wirtshaus, in welchem alles begann, mit den Objekten seiner einstigen Begierden nichts mehr anfangen kann. Entscheidend ist hier, wie die Exegese des "Faust"-Stoffes mit der Biographie Goethes unterlegt wird und so die Genrebezeichnung "Goethical" ihre Daseinsberechtigung erhält.
Der Abend ist lustig und wird mit jedem Bier besser, auch dies ein Zeichen großer Theaterkunst. Der Band um Titus Vollmer gelingen ein paar hinreißende Stückl, die Frösche quaken, das Gewissen wurmt, die Mädels sind blonder als anderswo (Sonja Welter) oder zuckersüße Seelendarstellerinnen (Constanze "Gretchen" Lindner), die Wirtshausgäste Deppen oder Philosophen, Wirt (Martin Cambeis) und Schwabe (Oscar Kraus) singen wie die Zeisige, und Mephisto (Hagen Range) ist ein liebenswerter Moppel, dem nichts Böses gelingen mag, weshalb ihn der Oberteufel rausschmeißt. Durch dieses musikalisch auf sehr heterogene Art aufbereitete Panoptikum menschlichen Daseins schleicht der Faust, Sein Knecht (die Vorspiele im Himmel und auf dem Theater kommen hier ganz werkgetreu irgendwie vor), und trinkt und jammert und führt Schmäh und ist hinter den Weibern her - das mit der Gier nach der Unschuldigen sollte man hier nicht so eng sehen. Faust sind wir alle, Österreicher (Tauchen) zwar nicht, aber nicht jeden Abgrund muss man selbst ergründen. - (Süddeutsche Zeitung, 24.02.2009)