Lustspielhaus
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Roland Düringer

Düringer ab 4,99

Lustig wie die Benzinbrüder, irrwitzig wie Hinterholzacht und spontan wie sein Regenerationsabend. Nach einem Ausflug ins ernste Fach (die Viertelliterklasse) wird Roland Düringer wieder zum Publikumsliebling! Sein neues Motto lautet: Megakabarett zum Minipreis: Düringer ab 4.99*) Da kommt die Konkurrenz ganz schön ins Schwitzen und Sie günstig zu Spitzenunterhaltung vom Profi. Sparen Sie sich das Geld für billige Plagiate (Dürflinger) und gehen Sie gleich zum Original. Zum Inhalt sei nur soviel verraten: Karten gibt es ab 4.99*) Dieser Sensationspreis wird übrigens durch die freundliche Unterstützung von P.H.I. ermöglicht. P.H.I., der Kabarettsponsor des 21. Jahrhunderts.
*) Solange der Vorrat reicht. Es gibt nur ein begrenztes Kontingent an Tickets zu 4,99 Euro, weitere Preiskategorien: 24 €, 20 €, 16 €. Wegen der unterschiedlichen Preiskategorien (keine freie Platzwahl) sind Reservierungen nur per Email (info@lustspielhaus) oder telefonisch (089-34 49 74) möglich. Nachdem Sie sich für eine Preiskategorie entschieden und wir Ihnen diese bestätigt haben, müssen die Tickets innerhalb einer Woche im Kartenvorverkaufsbüro des Lustspielhauses abgeholt werden (tgl. 14.00–18.00, di bis 20.00 Uhr).

Bissige Kritik an kunterbunten Konsumwelten
Ernste Tone: Roland Düringers neues Programm „4,99“ prangert die Wegwerfgesellschaft an.
Gleich zu Beginn des Programms zeigt Düringer einen Befund ins Publikum: Dieser attestiert ihm „Paranoide Schizophrenie“. Dazu Düringer „I bi deppat, owa sogts es blos nit weida. Wer zoit scho 4,99, das a an Wahnsinnigen sicht.“ Bis zum Publikum dieses Abends hat es sich jedenfalls nicht durchgesprochen. Denn auch am Samstag, dem letzten Tag der Premierenwoche im Cinetheatro, war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt.
Was trieb Düringer nun in die Schizophrenie? Es war die oberflächliche Konsumgesellschaft, die ihren Sinn im Erwerb von unnützen Dingen sucht. Ähnlich wie Frédéric Beigbeders Kultroman „39,90“ stellt auch Düringer in „4,99“ den Kaufwahn bloß. Auf der Straße, so erzählt Düringer, trifft er ständig den „I hob“. Wer sich nun an den alttestamentarischen „Hiob“ erinnert fühlt, der hat nicht unrecht. Denn der „I hob“ der heutigen Zeit ist auch ein Getriebener und Verfolgter: „I hob ma a neichs Auto kaft. I hob ma a Digicam kaft.” Mit Konsum versucht er die innere Leere in einer gottverlassenen Welt zu füllen.
Bezeichnend für „4,99“ ist auch die intensive Einbeziehung des Publikums: Düringer teilt es in Käufer und Verkäufer auf. Geschickt spielt er sie gegeneinander aus. Die Fronten wechselt er dabei ständig, denn: „Das Geschäft muss ja am Laufen gehalten werden.“ Im zweiten Teil des Programms kommt ein veränderter Düringer auf die Bühne. Als schmieriger „Louis de Ville“ betreibt er Werbung für seine Organisation „P.H.I.-Perfect Human Individuals“. Im Stile eines Pyramidenspielwerbers rekrutiert Düringer alias „Louis de Ville“ Personal für seine Organisation. Dabei legt er aber keine strengen Maßstäbe an. „Ist einer hier ein Werbefachmann?“, fragt er. Niemand bejaht. Er formuliert die Frage um: „Hat jemand schon mal eine Werbung gesehen?“ Das ganze Publikum hebt die Hände, und schon hat de Ville seinen Marketingleiter gefunden. Ein düsteres Zukunftsszenario? Nein, meint Düringer, die Realität von heute.
kabarett.at, 16.03.2006