Lustspielhaus
münchner LACH+SCHIESS gesellschaft EULENSPIEGEL CONCERTS VEREINSHEIM Die Anstalt
OCCAMS

Occams Rache No 7

Klinik unter Almen. Dr. Occam operiert wieder.

Eine Lustspielhausproduktion von und mit: Andreas Giebel, Manfred Kempinger, Alexander Liegl, Gabi Rothmüller und Helmut Schleich

„Operation gelungen!“ lobte die tz das neue Sommerkabarett der Occams. „Klamauk mit Klasse“ (AZ) präsentieren die fünf Münchner Spitzenkabarettisten heuer in ihrem siebten Streich. Eine gewohnt abstruse Geschichte haben sie sich wieder ausgedacht: Seit vielen Jahren sitzt Mama Böse mit ihren Söhnen am Greislinger Bahnhof. Um genau zu sein: seit jenem denkwürdigen Tag, als die ganze Familie genau dort aus dem Schnellzug „Wilder Kaiser“ gefallen ist. Alle außer dem Papa. Der ist sitzen geblieben und Arzt geworden: Der bedeutendste Fettabsauger der Welt. Jetzt will ihn die Familie aber endlich wiederhaben. Also macht sich Mama mit ihren Söhnen auf die Suche und landet in Der Klinik unter Almen...
Aber wie immer hat sich die Truppe viele andere saukomisch-sinnfreien Sketche drumherum ausgedacht. „Die fünf Comedians erweisen sich darin wieder einmal als wahre Meister der Miniatur, der ins Absurde spielenden Mono- und Dialoge, die doch ‚irgendwie’ nur der Realität sehr genau abgeschaut sind“. (MM) Den Pokal für den besten Streich vergab die tz an die „fünf antiken Statuen aus der Glyptothek, die sich nach Ende der Öffnungszeit Ouzo in die Amphore füllen und Fluchtpläne schmieden.“ Nach diesem Museumsbesuch sind die Eintrittskarten für die Occams erste Bürgerpflicht! (AZ)



Pressestimmen zu Occams Rache No. 7, Klinik unter Almen – Dr. Occam operiert wieder
Mit Andreas Giebel, Manfred Kempinger, Alexander Liegl, Gabi Rothmüller und Helmut Schleich

Regie: Werner Winkler und Martina Schnell



Süddeutsche Zeitung, 07. Juli 2004 Von Thomas Becker
Der Wahnsinn tobt
Was würde wohl herauskommen, dürfte man sich seine Lieblings-Kabarettisten aus München plus Umland zusammenwünschen, auf dass sie einem einen unbeschwert-sinnfreien, gerne auch ein wenig albernen Abend bereiten? Andreas Giebel mit seiner sperrigen Blitz- und Donner-Stimme und der massigen Bühnen-Aura wäre natürlich dabei, ebenso wie Grimassenkönig Helmut Schleich mit diesem höchst formbaren Knautschgesicht. Gemeinsam vermögen sie das wohl authentischste Bayern-Dimpfl-Duo der Republik abzugeben. Alexander Liegl darf nicht fehlen – einer muss ja für die Qualität der Texte herhalten. Dazu gehört logischerweise Gabi Rothmüller, die immer mit ein paar Kilowatt mehr Energie unterwegs ist als der Rest der Welt. Manfred Kempinger macht ihr da Konkurrenz, der hat noch gefehlt. Tja, dann haben wir sie ja schon beisammen, die Occams. Seit vielen Jahren nehmen sich die allesamt erfolgreichen Kabarettisten im Sommer ein paar Wochen frei, um als Ensemble des Lustspielhauses ihren Spaß zu haben. Ein rotes Fädchen ist schnell gefunden, die Abstimmung mit der Regie (Werner Winkler und Martina Schnell) ist eingespielt und schon geht´s los. „Klinik unter Almen. Dr. Occam operiert wieder“ heißt das siebte Programm nach einer einjährigen Pause – eine launige Scharade mit einem Minimum an Plot und einem Maximum an Gaudium. Andreas Giebel fasst zu Beginn schon mal zusammen: „Wir wollen für zwei Stunden den Wahnsinn in einen gewissen Ablauf bringen.“ Hat geklappt. Niemand stört sich am fröhlichen Wechsel von Doktor-Story, Moustaki-Songs, Blödel-Durchsagen („Hansi Plast, bitte ins Verbandszimmer!“) und schwermütigen Lebensweisheiten („Optimismus ist doch nichts anderes als ein Mangel an Information“). Und dass endlich mal geklärt wird, was die Statuen in der Glyptothek nach Feierabend anstellen, wurde auch mal Zeit. Keine politisch korrekte Kabarett-Last trübt die Laune. Erlaubt ist, was Spaß macht. Und das ist eine ganze Menge.


Münchner Merkur, 07. Juli 2004
Von Rudolf Ogiermann

Gemischtwaren in Greisling
„Die Occams“ im Münchner Lustspielhaus

Schon dieser Ortsname ist genial erdacht. „Greisling“ – was kann man da schon anderes erwarten als einen Haufen armer Irrer? Und so ist es auch im neuesten, dem mittlerweile siebten Streich der „Occams“, die nach einem Jahr Pause und um einen Akteur (Michael Altinger) reduziert wieder auf der Bühne des Münchner Lustspielhauses stehen. Eine gewohnt abstruse Geschichte haben Gabi Rothmüller, Andreas Giebel, Manfred Kempinger, Alexander Liegl und Helmut Schleich da unter dem kalauernden Etikett „Klinik unter Almen“ ersonnen. Vater macht Karriere als Arzt, Mutter und zwei Kinder bleiben auf der Strecke, und zwar buchstäblich. Sie sind auf einer Bahnfahrt aus dem Zug gefallen und betreiben nun in besagtem gottverlassenen Greisling eine schlechtgehende Gemischtwarenhandlung. Allerlei schrille Typen scharen sich um die aus einer keifenden Mama (Rothmüller) und zwei tumben, gleichwohl liebenswerten Riesenbabies (Kempinger und Schleich) bestehende Rumpffamilie – eine sehr blonde Friseuse (Liegl), ein sich stets verhaspelnder Gerichtsvollzieher (ebenfalls Liegl), ein einarmiger Reisender (Giebl)... Die schnellen Szenen- und Klamottenwechsel sind (wie immer) Programm (Regie: Martina Schnell und Werner Winkler), und wie immer hat die Truppe um die Rahmenhandlung herum viele andere saukomisch-sinnfreie Szenen gruppiert. Die fünf Comedians erweisen sich darin wieder einmal als wahre Meister der Miniatur, der ins Absurde spielenden Mono-und Dialoge, die doch „irgendwie“ nur der Realität sehr genau abgeschaut sind. Herrlich dimpflig die Typen im Wirtshaus, erschütternd der „Blade Night“ – geschädigte Münchner, einfach nur doof der singende, saufende Wirt „Jim Hopf“. Schon vor der finalen Familienzusammenführung in der Klinik gibt´s, soviel sei verraten, einen ersten echten Höhepunkt – die „Occams“ als lebende Statuen in der Glyptothek. Marmor, den nur eins beseelt – der Gedanke an Flucht. So gescheit kann Blödsinn sein.



Abendzeitung, 07. Juli 2004
Von Mathias Hejny
Ab in die Klinik unter Almen
Klamauk mit Klasse: Das Sommerkabarett „Occams Rache“

Gleich nach der Pause sind „alle Griechen rehhagelvoll“. Es ist Feierabend in der Glyptothek und die Exponate planen die Flucht. Mal rauskommen, schwärmt Gott Bacchus, und den Schwager treffen, der als Apollo Kopie den Sirtaki-Grill in Trudering schmückt. Die Glyptothek ist natürlich auch eine Möglichkeit, einen verregneten Sommertag in München zu verbringen. Doch nach dem Museumsbesuch Eintrittskarten für „Occams Rache“ zu erwerben, ist erste Bürgerpflicht. Trotz der Antikennummer bleibt das Lustspielhaus auch bei seinem siebten Sommerprogramm für Daheimgebliebene bildungsfreie Zone und Brutstätte reinen Klamauks – eines Klamauks mit Klasse allerdings. Regisseur Werner Winkler gelang es, aus der Zusammenrottung von Gabi Rothmüller, Andreas Giebel, Manfred Kempinger und Alexander Liegl ein weiteres Mal Comedy zu formen, die so präzise zuschlägt, dass fast jeder Satz ein Brüller ist. Die am „ausrangierten Rangierbahnhof“ von Greisling beginnende Story von der schönheitschirurgischen „Klinik unter Almen“ spielt eine bestenfalls untergeordnete Rolle und dient vor allem als Vehikel für Sprüche wie „die Fettabsaugermaschine läuft wie geschmiert“. Abstauber des Jahrgangs 2004 ist Helmut Schleich: Seine Fähigkeit, die Mimik und den massigen Körper so zu knautschen, dass er dorftrottelige Debilität und bierdimpfelige Verschlagenheit gleichzeitig spielen kann, macht ihn auch ohne Worte buchstäblich irre komisch.



TZ. 07. Juli 2004
Von Thomas Willmann
Operation gelungen
„Klinik unter Almen“ im Lustspielhaus: Occams Rache No. 7
Schon wieder ein Sieg für eine griechische Truppe: Der Pokal für den besten Sketch in „Occams Rache No. 7“ geht an die fünf antiken Statuen aus der Glyptothek, die sich nach Ende der Öffnungszeit Ouzo in die Amphore füllen und Fluchtpläne schmieden. In Bettlaken und weißen Birkenstock-Sandalen laufen Andreas Giebel, Manfred Kempinger, Alexander Liegl, Gabi Rothmüller und Helmut Schleich zu Hochform auf. Dabei hat gerade diese Nummer gar nix zu tun mit der „Klinik unter Almen“, die das Kabarett-Programm im Untertitel trägt. Die Story von Mama Böse und ihren Buben auf der Suche nach dem verschollenen Vater – nun Chefarzt einer Fettabsauge-Klinik – bietet in der siebten Produktion der beliebten Lustspielhaus-Mannschaft (Regie. Werner Winkler, Martina Schnell) nur die denkbar dünnste Rote-Faden-Heftung für eine Nummernrevue der losen, bunten Blätter. An Vorbildern blitzt da mal Karl Valentins spezielle Logik auf, dann Polt-ert es wieder, eine Kreuzworträtsel-Nummer gemahnt an Emil vor 20 Jahren, dann blüht einfach ungehemmt der Blödsinn oder bricht der Gesang aus. Gemeinsam ist alldem der neurotische Unterton: Die Charaktere in Occams Welt sind durchweg Getriebene, in privaten geistigen Endlosschleifen Gefangene. Besonders Helmut Schleich – z. B. als schwitziger Burli Böse mit seiner Hornhautraspel-Sammlung – spielt diese Typen brillant, mit Dimensionen über den bloßen Gag hinaus. Leider werden manche Ansätze (z.b. die Arztserien-Parodie) zu bereitwillig aufgegeben – dafür sorgt der sehr lockere Zusammenhalt dafür, dass die weniger gelungenen Nummern (und die gibt´s durchaus) schnell von der Bühne und aus dem Gedächtnis sind. Kein Gipfelsturm moderner Kleinkunst also, aber ein vergnüglicher Spaziergang durch ein weites Humor-Terrain. Fazit der Premiere: Operation gelungen – Publikum lacht!